Das besondere Bild – Schantung Eisenbahn Gesellschaft

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Gute Bilder der Schantung Eisenbahn Gesellschaft sind selten. Umso mehr habe ich mich über dieses Bild der Nr. 1 der Schantung-Eisenbahn Gesellschaft, erbaut mit Fabriknummer 55 in 1900 von Humboldt gefreut. Die Maschine entspricht der preußischen T3, so wie alle Erstlieferungen des Jahres 1900 preußischen Bauarten entlehnt waren. Neben den vier T3 wurden auch sechs T9.1 geliefert. Das zweite Bild zeigt eine solche Maschine, die Nummer 17, von Borsig 1900 mit der Fabriknummer 4810 geliefert. Die 1901 beschafften 2’C Universallokomotiven für den Streckenbetrieb waren bereits eine eigenständige Bauform, die sich freilich an andere Entwürfe der deutschen Lokomotivindustrie für den Einsatz in Übersee anlehnten. Das dritte Bild zeigt die mit der Nr.73 die letzte dieser insgesamt 23 von Vulcan, Hartmann und der BMAG gelierten Maschinen. Die 73 wurde 1910 von der BMAG mit der Fabriknummer 4597 geliefert. Schließlich noch ein viertes Bild einer der 1913/14 von der BMAG beschafften Expresslokomotiven, welche den schnellen Reiseverkehr übernehmen sollten. Diese trugen die Betriebsnummern 301-306.

Die Reise begann, wie die Beschriftung erklärt, in San Francisco auf der „SS Mongolia“ im Dezember 1908 und führte zunächst nach Shanghai. Zumindest habe ich keine Bilder von Hongkong gefunden, dem eigentlichen Fahrtziel der „SS Mongolia“. Von Shanghai ging es dann im Januar 1909 auf der „Staatssekretär Kraetke“ nach Tsingtau, ein Katzensprung mit Abfahrt nachmittags um 15:00 Uhr und Ankunft in Tsingtau am Morgen des übernächsten Tages. Die Aufnahme entstand bei der Ankunft in Tsingtau von Bord des Schiffes, wie die auf der rechten Stereoaufnahme sichtbare Dachpartie des Dampferdecks beweist. Ich habe mir die Freiheit genommen die Aufnahme digital so zu modifizieren, dass die auf den quadratischen Stereoaufnahmen jeweils links und rechts fehlenden Bereiche zu einem Gesamtbild addiert wurden. Inklusive Entfernung des Dampferdaches. Sonst hätte ich entweder auf den links die Karre ziehenden Chinesen oder das hintere Ende des Zuges verzichten müssen.

Der Pelzmantel der Dame beweist, dass es ein kalter Morgen gewesen sein muß. Aufmerksamkeit verdienen auch die Güterwagen, die sich von den sonst ebenfalls an den preußischen Güterwagen der Verbandsbauart orientierenden Typen unterscheiden.

Das Bild mit der T9.1 zeigt einen aus Kiautschou in Tsingtau einlaufenden Güterzug. Da die Aufnahme auch als Postkarte vom „Verlag Max Grill, Kaufhaus, Tsingtau“ vertrieben wurde und diese noch eine ungeteilte Rückseite besitzt, liegt das Aufnahmedatum zwischen 1900 und 1905, also der frühen Zeit der Schantung Eisenbahn Gesellschaft.

Wären nicht die Menschen und die von europäischen Bauformen etwas abweichenden Gebäude links im Bild, so könnte das Bild auch irgendwo in preußischen Landen entstanden sein. Sowohl Lokomotive als auch Wagen machen einen durchweg preußischen Eindruck. Und der ursprünglich von Borsig an den Lokomotiven angebrachte Kuhfänger hat offensichtlich die ersten Betriebsjahre nicht überlebt. Nur auf den Bildern des Eröffnungszuges der Bahn prangt er noch an der Pufferbohle der Maschine.

Das Bild der Nummer 73 entstand bereits nach dem Ende der japanisch-britischen Belagerung im Frühjahr 1915. Viele der Brücken der Bahn waren zerstört worden und so steht die Maschine hier auf einer provisorisch wieder instandgesetzten Brücke. Man erkennt an der Maschine viele „preußische“ Konstruktionsmerkmale, ohne dass dieser Typ jemals für die Königlich Preußische Eisenbahnverwaltung gebaut worden wäre. Diese Maschinen trugen als Universallokomotiven die Hauptlast des Verkehrs auf der 412 km langen Strecke von Tsingtau (heute Qingdao) bis Tsinanfu (heute Jinan), eine Reise, die mit den gemischten Zügen fast 13 Stunden dauern sollte.

Auf diesem Foto sehen wir eine der Personenzuglokomotiven mit dem in Tsingtau aus Tsinanfu eingelaufenen Expresszug. Das Aufnahmedatum lässt sich sehr genau eingrenzen, folgt der Lokomotive doch einer der beiden erst 1914 von der Dessauer Waggonfabrik gelieferten 4-achsigen Post-Packwagen PwPost4ü, welche ursprünglich für den durchgehenden Postverkehr Berlin-Tsingtau gedacht waren. Dementsprechend hatten sie Wechseldrehgestelle für 1435 mm und die russische 1524 mm Spur. Außerdem besaßen sie die Kombination von Schraubenkupplung und chinesischer Janney-Kupplung, um ab Tsinanfu auf den chinesischen Streckenteilen verkehren zu können. Da die Belagerung Tsingtaus am 13.September 1914 begann, kann die Aufnahme angesichts der belaubten Bäume nur zwischen dem späten Frühjahr 1914 und dem 12.September 1914 entstanden sein. Vielleicht sogar dem 1. August, dem Tag der Kriegserklärung des deutschen Reiches an Russland. Zu den geplanten Durchläufen Berlin-Tsingtau ist es nie gekommen, allerdings waren die Wagen wohl bis Peking im Einsatz. Sie trugen die Betriebsnummern Cdb 121, 122.

In der Herstellerbeschreibung der Dessauer Waggonfabrik finden sich für diese Wagen folgende Angaben: LüP 20,5 m, Eigengewicht 30 t, Ladegewicht 12 t, 1 Gepäckabteil, je 1 deutsches und chinesisches Postabteil mit Seitengang, 1 Dienstabteil für das Zugpersonal, 1 Abort, je 1 Vorraum an jedem Wagenende, Gerippe des Wagens Eisenprofile, außen naturlackiertes burmesisches Teakholz, innen Kiefernholzverkleidung. Ferner Dampfheizung, Westinghousebremse, Petroleumbeleuchtung.

Die Entwicklung der Bahn zeigte sich neben dem Einsatz reiner Personenzuglokomotiven auch in der kurz vor Kriegsbeginn getätigten Bestellung von acht 1’E Güterzuglokomotiven, die bedingt durch den Krieg und den Verlust der Bahn an Japan storniert wurde und nie zur Ausführung kam. Stattdessen rollten dort später amerikanische 2-8-0 ALCO Maschinen.