Leipzig-Dresdener Eisenbahn

weiterer Inhalt nur für Abonnenten - bitte einloggen + the following content is only for subscribers - please log in [hidepost=1]

Leipzig als alte Handelsstadt fernab von sinnvoll schiffbaren Verkehrsströmen interessierte sich schon früh für einen Anschluß mit einer Eisenbahn. Der Leipziger Kramermeister Carl Gottlieb Tenner schlug 1830 den Bau einer Bahn von Leipzig bis nach Strehla an der Elbe vor. Dort griff Friedrich List, der seit 1832 in Leipzig lebte, vermutlich motiviert durch die zentrale Lage Leipzigs die Idee auf und entwickelte den berühmten Plan eines deutschen Eisenbahnsystems, das Leipzig als zentralen Knotenpunkt vorsah. Durch diese Schrift wurden vier unternehmende junge Leipziger Kaufleute für den Plan der Leipzig-Dresdner Eisenbahn gewonnen: Wilhelm Seyfferth, U. Difour-Feronce, K. Lampe und Gustav Harkort, Bruder von Friedrich Harkort. Sie veranstalteten zunächst eine Versammlung, dann eine Eingabe an die Regierung, und König Friedrich August ging gütig und einsichtig auf die Pläne ein. Nun erließ List einen feurigen Aufruf zur Beteiligung an dieser „Nationalangelegenheit“. Mit der Begeisterung redete er von neuer Blütezeit, die den alten Städten nun kommen werde. Seit dem glücklich vollendeten Zollverein bedürften die Deutschen jetzt nur noch des wohlfeilen und schnellen Transports, „um sich auf die Stufe der gewerbefleißigsten Nationen der Erde emporzuschwingen“. Für das Komitee, das sich nunmehr bildete, erstattete List dem Publikum fortlaufend Berichte, und hier sprach er schon zuversichtlich aus, was den meisten noch wie Wahnsinn klang: „die Eisenbahnen müssen auf den großen Routen zum ordinären Transportmittel werden.“ Glücklicherweise unterschätzte man beträchtlich die Kosten, sonst wäre das Wagnis in der armen Zeit schwerlich begonnen worden. List meinte mit einer halben, höchstens mit einer Million Taler auszukommen. Das vorsichtigere Komitee gab für 1 ½  Millionen Aktien aus und musste sich bald überzeugen, dass man die dreifache Summe bedurfte. Mittlerweile war aber das Unternehmen schon weit gefördert, niemand wollte mehr zurück, und die Anleihen fanden genügend Abnehmer.

Obwohl List  den direkten Weg über Meißen empfahl, wählte den Umweg über die Ebene bei Riesa, da die verantwortlichen englischen Ingenieure James Walker und Hawkshaw vor den Schwierigkeiten einer Gebirgsbahn warnte und man der jugendlichen deutschen Eisenbahntechnik nicht zuviel zumuten wollte.

Schon kurz nach dem ersten Spatenstich am 1. März 1836 konnten die ersten Teilabschnitte in Betrieb gehen:

  • 24.04.1837      9,2 km             Leipzig – Althen
  • 12.11.1837      7,5 km             Althen-Borsdorf-Gerichshain
  • 11.05.1838      2,3 km             Gerichshain-Machern
  • 19.07.1838      7,5 km             Dresden-Weintraube
  • 31.07.1838      7,5 km             Machern-Wurzen
  • 16.09.1838      18,1 km           Wurzen-Dahlen
  • 16.09.1838      12,1 km           Weintraube-Coswig-Oberau
  • 03.11.1838      9,0 km             Dahlen-Oschatz
  • 21.11.1838      15,1 km           Oschatz-Riesa
  • 08.04.1839      28,9 km          Riesa-Priestewitz-Oberau            

Die nach englischem Vorbild erbaute Bahn, die unmittelbar nach der Einweihung ein zweites Streckengleis erhielt, wurde bis 1884 im Linksverkehr befahren. Bedeutende Bauwerke waren die zwischen 1836 und 1839 errichtete Brücke in Riesa, die auf Steinpfeilern und Holzträgern auf 340 m Länge über die Elbe führte und der 513 m lange Tunnel bei Oberau, auf den später noch ausführlich eingegangen wird.

[/hidepost]

>>> zur Übersicht "Eisenbahnnetze entstehen"

Speak Your Mind

Tell us what you're thinking...
and oh, if you want a pic to show with your comment, go get a gravatar!

You must be logged in to post a comment.

2 Besucher online
2 Gäste, 0 Mitglied(er)
Meiste Besucher heute: 28 um/am 12:01 am UTC
Diesen Monat: 83 um/am 10-11-2019 07:25 pm UTC
Dieses Jahr: 83 um/am 10-11-2019 07:25 pm UTC
Jederzeit: 122 um/am 03-02-2014 10:56 am UTC
Copy Guarded by IamShekhar's WP-CopyGuard.