Militärstrategische Bedeutung

Die militärstrategische Bedeutung der Eisenbahn in der frühen Eisenbahnzeit

Das Militär erkannte schon sehr früh die große Bedeutung des neuen Verkehrsträgers Eisenbahn bei der Umsetzung militärischer Ziele. Bereits 1836 kam eine Kommission aus preußischen Offizieren und Beamten zu der Erkenntnis, dass die Eisenbahn unter militärischen Gesichtspunkten alle Beachtung verdient.

weiterer Inhalt nur für Abonnenten - bitte einloggen + the following content is only for subscribers - please log in [hidepost=1]

Schon kurz nach der Eröffnung der Berlin-Potsdamer Eisenbahn transportierten zehn Züge 8.000 Mann Garde-Infanterie von Potsdam nach Berlin, allerdings nur aus Vergnügungsgründen. Der erste bedeutende Truppentransport per Eisenbahn in der deutschen Geschichte war 1845/46 die Verlegung einer Batterie mit ihren Pferden und Geschützen von Neiße nach Königshütte in Oberschlesien.

Der erste Ernstfall trat 1848 mit dem Schleswig-Holsteinischen Krieg (1848-51) ein. Das Herzogtum Schleswig mit seiner deutschen, dänischen und friesischen Bevölkerung war nicht wie Holstein Teil des deutschen Bundes. Ziel des Krieges war ein vereintes Schleswig und Holstein im Deutschen Bund. Am Morgen des 24. März 1848 brachte ein Sonderzug Soldaten der Kieler Garnison sowie Freiwillige von Kiel nach Rendsburg, denen es dort gelang die stärkste Festung des dänischen Staates einzunehmen. Zur Unterstützung der örtlichen Kampfverbände entsandte Preußen im Namen des Deutschen Bundes Truppen ebenfalls per Bahn. Dennoch blieb es in Schleswig beim Fortbestand der dänischen Herrschaft, während Holstein durch preußische und österreichische Truppen befriedet wurde.

Der Wunsch nach einem einheitlichen Nationalstaat und einer liberalen Verfassung war der Nährboden der Deutschen Revolution von 1849. Vor allem preußische Truppen, die mit der Eisenbahn befördert worden waren, bekämpften mit Erfolg die Revolutionen in der Rheinprovinz, Sachsen, Baden und der Rheinpfalz. Hierbei waren zum Beispiel in der Rheinpfalz etwa 30.000 preußische Soldaten im Einsatz.

Im Herbst 1850 kam es im Rahmen des preußisch-österreichischen Konfliktes zur Ölmützer Krise, wobei trotz ausreichender Eisenbahninfrastruktur die Logistik beider Kontrahenten versagte. Dies lag an der fehlenden Praxis, die Eisenbahnen beim Truppentransport einzusetzen. Während die preußische Mobilmachung in Chaos unterging, beförderten die Österreicher etwa 75.000 Soldaten und 8.000 Pferde mit der Bahn an die schlesische Grenze. Dies jedoch in einer Zeitdauer, die auch ohne Eisenbahn möglich gewesen wäre. Immerhin ersparten sich Ross und Reiter damit die Strapazen des Weges. Nach Beendigung dieses Konfliktes sorgten preußische und österreichische Truppen weiterhin für Ruhe und Frieden in Deutschland. In diesem Zusammenhang ist die Entgleisung dreier Wagen eines Truppentransportzuges mit 1.200 österreichischen Infanteristen auf der Spessartrampe auf dem Weg von Würzburg nach Mainz am 22. August 1856 überliefert, die sechs Tote, neun Schwerverletzte und elf Leichtverletzte forderte. Besonders aufmerksam beobachtete der preußische Generalstab die Erfahrungen bei Kriegen des Auslandes.

Im Sardinischen Krieg 1859 von Frankreich und Sardinien gegen Österreich.erfolgte der Truppentransport sechsmal schneller als per Fußmarsch. Dennoch war der Nachschub schlecht organisiert, zudem verstopften herrenlose Güterwagen die Bahnhöfe. Neben diesem ersten Krieg, in dem die Eisenbahn eine taktische Bedeutung erhalten hatte, wurde die Eisenbahn im amerikanischen Sezessionskrieg (1862-65) elementarer Teil der Kriegsführung. Erstmalig waren Eisenbahngeschütze, Panzer- und Lazarettwaggons im Einsatz. Wichtige Strecken und Brücken wurden zum Aufhalten des Vormarsches zerstört und mussten in kürzester Zeit wieder provisorisch aufgebaut werden. Zudem beobachtete der Generalstab die Zustände auf von privaten Eisenbahn-Gesellschaften erbauten Strecken, die nach wirtschaftlichen und nicht nach militärischen Gesichtspunkten angelegt waren und mit benachbarten Eisenbahnen nicht immer kompatibel waren, was Spurweite und sonstige technische Standards anging.

Graf Helmuth Karl Bernhard von Moltke, der als genialer Stratege seit 1857 den preußischen Generalstab anführte, war von der Bedeutung der Eisenbahn bei der Kriegsführung überzeugt und errichtete 1864 eine eigene Eisenbahnsektion. Moltke band die Eisenbahn als Instrument der modernen Kriegsführung 1864 beim Deutsch-Dänischen Krieg ein. Dänemark hatte 1863 Schleswig als Bestandteil des dänischen Kernstaates proklamiert. Nachdem Dänemark ein von Österreich und Preußen gesetztes 48-Stunden-Ultimatum zur Räumung Schleswigs verstreichen ließ, griffen österreichische und preußische Truppen am 1. Februar 1864 bei Eis und Schnee Dänemark an. Hierbei hatte die Eisenbahn die Aufgabe, die Truppen, schweres Kriegsgerät und den Nachschub heran zu transportieren. Mit dem Frieden von Wien endete der von Dänemark verlorene Krieg im Oktober des gleichen Jahres.

Beim Deutschen Krieg von 1866 gegen Österreich, Sachsen, Hannover und Kurhessen (Preußisch-Österreichischer Krieg) war wiederum die Eisenbahn - entsprechend von Moltkes Planung - Rückgrad der Kriegsführung. Zu diesem Zweck setzte Preußen zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur und des Betriebsdienstes drei militärische Eisenbahnabteilungen aus je zwölf Eisenbahntechnikern und 50 Feldeisenbahnern ein. In diesem Krieg wurde die lange schwelende Frage der Vormachtstellung von Österreich oder Preußen geklärt. Vorwand war der Streit um die Verwaltung Schleswigs und Holsteins nach dem Ende des Deutsch-Dänischen Krieges. Holstein stand zu diesem Zeitpunkt unter österreichischer Verwaltung. Am 9. Juni 1866 marschierten preußische Truppen in Holstein ein. Dies schien ein günstiger Zeitpunkt zu sein, da sich Österreich in einer schweren Finanzkrise befand und zudem ein schwieriges Verhältnis zu Russland hatte, so dass hier kein militärischer Beistand zu erwarten war. In das Aufmarschgebiet in Böhmen standen den Österreichern nur eine einzige Eisenbahnstrecke, Preußen dagegen fünf Eisenbahnstrecken zur Verfügung. Insofern wurde von Moltke kritisiert, dass er bei Ausnutzung aller fünf vorhandenen Eisenbahnlinien die Ausgangsfront auf eine zu große Entfernung von 300 km ausdehnen würde. Letztendlich waren die preußischen Truppen aufgrund des schnellen Truppen- und Nachschubtransportes aber schon im Einsatz ,als die Österreicher noch im Aufmarsch waren. Dies ermöglichte mit der Umfassung der Österreicher in der Schlacht von Königsgrätz, die von Moltke persönlich vor Ort leitete, auch den Sieg gegen Österreich. Damit verbunden war die Auflösung des Deutschen Bundes und die politische Vormachtstellung Preußens unter den deutschen Ländern. Die folgende Gründung des Norddeutschen Bundes gilt als Vorstufe für den 1871 vollendeten deutschen Nationalstaat.

[/hidepost]

Speak Your Mind

Tell us what you're thinking...
and oh, if you want a pic to show with your comment, go get a gravatar!

You must be logged in to post a comment.

1 Besucher online
1 Gäste, 0 Mitglied(er)
Meiste Besucher heute: 29 um/am 07:20 am UTC
Diesen Monat: 90 um/am 12-04-2019 02:14 pm UTC
Dieses Jahr: 325 um/am 11-04-2019 12:08 am UTC
Jederzeit: 325 um/am 11-04-2019 12:08 am UTC
Copy Guarded by IamShekhar's WP-CopyGuard.