Strousberg, Bethel Henry

Wer war Bethel Henry Strousberg, dass er in die Geschichte als Eisenbahnkönig einging?

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Am 20. November 1823 in Neidenburg/Ostpreußen geboren, stammte Strousberg aus einer einfachen jüdischen Familie. Nach dem frühen Tod seines Vaters kam Strousberg 1835 zu seinem Onkel nach London. Dort hatte er das Ausmaß und die Möglichkeiten der industriellen Revolution vor Augen. Noch aber kümmerte sich Strousberg lieber um journalistische statt um kaufmännische Angelegenheiten. Als Publizist für mehrere Zeitungen berichtete er auch aus dem Parlament und knüpfte Kontakte zu Persönlichkeiten auch aus der aufstrebenden Finanzwelt. 1855 kehrte Strousberg als Vertreter einer englischen Verscherungsgesellschaft zurück nach Berlin, wo er durch seine Tätigkeit für den britischen Gesandten gesellschaftliche Anerkennung fand. Durch seine Stellung erhielt er Kontakt zu britischen Investoren, die für den Bau der Eisenbahnstrecke von Tilsit nach Insterburg in Ostpreußen Hilfe benötigten.

Strousberg kümmerte sich nicht nur um die Konzession für diese 1865 eröffnete Strecke, sondern koordinierte die gesamte Abwicklung des Eisenbahnbaus. Neuartig war sowohl die Vergabe der Bauarbeiten an Generalunternehmer, die sämtliche Bauleistungen zu erfüllen hatten, als auch die Finanzierung dieses Großprojektes. Seine Finanzierungsmethode bestand darin, die Generalunternehmer für ihre Leistungen nicht in bar zu entlohnen, sondern diese mit Aktien der Gesellschaft zu bezahlen. Im Gegenzug zur Arbeitsleistung der Generalunternehmer standen diesen so mit eigene Anteile an der Eisenbahn-Gesellschaft zu. Die erwarteten hohen Gewinne der Bahngesellschaft sollten anschließend die Verzinsung des eingesetzten Kapitals sowie die Dividende als Risikoprämie sicherstellen. In Wirklichkeit erhielten die Generalunternehmer auf diese Weise Aktien, deren Nennwert höher als die Baukosten war. Gleichzeitig blähte der Handel mit diesen Aktien den Wert der Gesellschaft künstlich auf. Ein solides wirtschaftliches Fundament war diese Finanzierung also von Anfang an nicht. Nachdem das erste Projekt zur Zufriedenheit Aller fertig gestellt worden war, folgte rasch der Bau weiterer Eisenbahnstrecken in Deutschland, Russland und Ungarn. Strousberg wurde auf diese Weise rasch zu einem schwerreichen Mann, der sein Kapital in Eisenwerke, Kohle- und Erzgruben, Lokomotiv- und Schienenfabriken und Forste investierte. Damit stieg er in kurzer Zeit zu einem der bedeutendsten deutschen Eisenbahn- und Industriemagnaten sowie zum Großgrundbesitzer auf. Das Jahr 1868 erwies sich für Strousberg als Schicksalsjahr. Mit dem Kauf der Lokomotivfabrik von Georg Egestorff (später Hanomag) war Strousberg auf dem Gipfel seines Eisenbahn-Imperiums. Mit dem Erhalt der Konzession zum Bau mehrerer Eisenbahnstrecken in Rumänien wendete sich im gleichen Jahr schließlich das Schicksal gegen Strousberg. Anfangs verzögerten technische und wirtschaftliche Probleme das neue Eisenbahnprojekt. Intrigen führen zum Abbruch des Projektes und Strousberg wurde 1873 öffentlich als Kreditbetrüger bezeichnet. Im zeitgleichen Börsenkrach schwand sein Vermögen, aber dennoch bewarb er sich in Russland um den Bau einer neuen Strecke. Dort verursachten geplatzte Wechsel seine Verhaftung. Verarmt kehrte Strousberg 1882 nach Berlin zurück, wo sein Ruf ruiniert war und er am 31. Mai 1884 an den Folgen eines Herzinfarktes verstarb.

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