Spalt-Georgensgmünd

Riesig war die Anteilnahme als am 1. Mai 1995 der letzte Zug auf der am 16.10.1872 offiziell eröffneten Strecke Georgensgmuend-Spalt fuhr. Die Betriebsabnahme, der ab Oktober 1871 in Bau befindlichen Strecke, erfolgte bereits am 18.9.1872. 86 457 hatte die Aufgabe mit einem Sonderzug der Strecke die letzte Ehre zu erweisen, nachdem der letzte planmäßige Personenzug bereits am 27.09.1969 verkehrt war. Der zweiständige Lokschuppen in Spalt wurde 1971 abgerissen. Aufgrund der kurzen Streckenlänge (6,92 km) war die Strecke jahrzehntelang Domäne der Dampflok-Baureihe 98.3, dem bayerischen Glaskasten, der am 6.10.1962 seine letzte Fahrt nach Spalt absolvierte. Haltepunkte waren Hügelmühle und bis 1922 Wasserzell. Foto: Ingo Ehrlich

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>> download Fahrplan 1.11.1873

>> download Fahrplan 15.05.1939

Anekdoten über das Spalter Bockerl:*)

Als am Nachmittag des 16. August 1911 ein Großfeuer in der Spalter Altstadt 11 Wohnhäuser vernichtete und 26 Gebäude beschädigte wurden die Feuerwehren aus Roth und Georgensgmünd mit dem Zug herantransportiert. Ein Extrazug brachte Tags darauf die vielen Schaulustigen nach Spalt.

Nach einem wolkenbruchartigen Regen entgleiste der Spalter Abendzug am 4. Juli 1926 auf einer 15 cm hohen Sandschicht bei der Egelmühle. Neben der Lok, die noch etwa 20 Meter weitergefahren war und sich dann bedenklich zur Seite neigte, entgleisten der Postwagen und zwei Personenwagen.

Obwohl niemand verletzt wurde, erregte das Unglück in Spalt großes Aufsehen. Der örtliche Amateurfotograf wollte die Szene der Nachwelt überliefern, scheiterte jedoch an den Lichtverhältnissen, war es doch mittlerweile zirka 21 Uhr geworden. Seinem Wunsch mit der Bergung bis zum nächsten Morgen zu warten, bis wieder ausreichende Lichtverhältnisse herrschen, wurde natürlich nicht stattgegeben.

*) Robert Schlag, Spalt - Hopfenstadt an der Rezat, in alten und neuen Photographien, Roth-a-Print, 1. Auflage 1984, S. 15f.

Doch es gibt nicht nur heitere Episoden vom Spalter Bockerl zu berichten. Wie so viele andere Nebenbahn wurde auch das Spalter Bockerl gegen Ende des 2. Weltkrieges Ziel eines Tieffliegerangriffs. Die Warnungen der Fränkischen Tageszeitung vom 24. Januar und 9. März 1945 mit folgendem Inhalt waren also durchaus berechtigt: "Achtung! Tiefflieger! Wenn mit Tieffliegern zu rechnen ist: Augen auf, Ruhe bewahren und in Deckung gehen. Mache den Feind durch sinnloses Umherlaufen nicht erst recht aufmerksam. Weg von Straßen, Plätzen und Fenstern.Deckungsmöglichkeit innerhalb von Ortschaften bieten immer wieder: Hauseingänge und festes Mauerwerk; im freien Gelände: Gräben, Erdlöcher und Wälle." Noch konkreter wurde diese Zeitung am 28. März 1945 mit folgendem Hinweis: "Landbevölkerung und Straßenpassanten! Warnt bei Tieffliegergefahr vorüberfahrende Kraftfahrzeuge durch dreimaliges Heben und Senken des Armes mit ausgestreckter Hand!"

Rette sich wer kann - der Tieffliegerangriff auf den Bahnhof Spalt vom 28. Februar 1945**

Eine kalte, aber knapp frostfreie Nacht verbrachte das Spalter Bockerl vom Dienstag, 27. Februar zum Morgen des Mittwochs, 28. Februar im Bahnhof Spalt. Oberlokführer Ammon aus Spalt und Schaffner Endres aus Georgensgmünd begannen ihren Dienst schon lange vor der Abfahrt des Frühzugs 3030, der um 4.16 Uhr in Spalt startete. Es war ein niederschlagloser Tag mit Höchstemperaturen von ca. 13 Grad angesagt worden. Sicherlich war sich das Zugpersonal der Gefahren bewußt, die so ein klarer Tag in diesen Zeiten mit sich bringen konnte. Aber die Fahrt war schon so oft glücklich vonstatten gegangen und warum sollte gar das kleine Spalter Bockerl Ziel eines Tieffliegerangriffs werden? Lag doch die bedeutende elektrifizierte Hauptstrecke Treuchtlingen - Nürnberg als wirklich lohnendes Angriffsziel unmittelbar vor der Haustür. Ein Zugpaar Spalt - Georgensgmünd hatten Ammon und Endres an diesem Tag schon wohlbehalten hin und zurück gebracht.

Weiter im Text nur mit gültigem Ticket

**) Willi Ulsamer: Bewegte Tage in einer kleinen Stadt vor und nach dem Einmarsch der Amerikaner 1945, S. 27. In: Aus der Spalter Heimat, Heimatkundliche Hefte, herausgegeben vom Heimtverein Spalter Land e.V., Heft 24b von 1987.

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