Baureihe – E 94

194 584 wartete am 30. April 1987 in Laufach auf ihren nächsten Schiebedienst-Einsatz auf der Spessartrampe. Foto Ingo Ehrlich

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z.B. 001-142, 145-161, 178-196, 262-285 bzw. nach Umnummerierung 541-542 und 562-585 eingeben und RETURN klicken.


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Als Weiterentwicklung der Baureihe E 93 entstand ab 1940 die Baureihe E 04 (später 194), die mit ihrer Leistungskraft und Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h für den schweren Güterzugeinsatz konzipiert war. Aus vorhandenen Teilen entstanden selbst nach dem 2. Weltkrieg weitere Maschinen dieses Types und die Bundesbahn beschaffte 1954 bis 1956 weitere Lokomotiven mi den Betriebsnummern E 94 178 bis 196 und 262 bis 285, die für eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h zugelassen waren. Bei der Bundesbahn wurden die sechsachsigen Lokomotiven 1988 und bei der Reichsbahn in der DDR 1991 ausgemustert.

70 Jahre Baureihe E 94

von Stefan Geisenfelder

Was mit den"Schweizer Krokodil"im jahr 1919 begann, wurde 1923 mit dem "Österreichischen Krokodil" fortgesetzt. Doch die Familie dieser "Reptilien auf Schienen"wurde Ende der 30er-Jahren mit der Ablieferung der E 93 und E 94 fortgesetzt.

Der Zweite Weltkrieg warf schon seine Schatten aus, als Mitte der 30er-Jahren das Verkehrsaufkommen der Reichsbahn mit stark wachsenden Wirtschaft immer mehr stieg. So sollte der Güterverkehr beschleunigt werden. Besonders richtete man den  Augenmerk auf  die elektrisch betriebenen Strecke im deutschen Mittelgebirge, im schlesischen Kohlerevier und Süddeutschland. Die neue Lokbaureihe E 94 sollte ihren Teil dazu leisten.

Im Jahre 1937 bestellte die Reichsbahn die ersten elf Lokomotiven der Baureihe E 94 bei AEG in Henningsdorf bei Berlin. Dabei griff man auf die Pläne der bewährten Baureihe  E 93 zurück. Am Bau der E 94 waren auch die die Berliner Siemens-Schuckert-Werke(elektrischer Teil) sowie Krauss-Maffei in München beteiligt. Da mit dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 sich nun auch das Einsatzgebiet der E 94vergrößert wurde, verstärkte man dazu die Infrastruktur, denn die E 94 hatt ein Gewicht von fast 120 Tonnen. Als erste Maschine wurde die E 94 001(heutige 1020 018) im Mai 1940 dem Bw Innbruck übergeben. Bis 1945 versahen rund ein Drittel der beschafften Maschinen auf österreichischen Strecken ihren Dienst.

Als erste deutsche Dienststelle kam im Oktober 1940 das Bw Pressig-Rothenkirchen an der Frankenwaldrampe in den Genuss der E 94. Im Dezember 1941 erhielt das Bw Rosenheim die ersten Maschinen, die vor allem für den kriegswichtigen Güterverkehr eingesetzt wurden. Weitere E 94 wurden auf folgende Bw beheimatet: Kornwestheim, München-Ost, Augsburg und Freilassing. In Österreich waren dies: Innsbruck, Salzburg, Schwarzach-St.Veit, Spittal-Millstättersee und Bludenz. Ein weiterer Schwerpunkt waren die schweren Kohlezüge im Schlesischen Kohlerevier, so erhielt das Bw Waldenburg-Dittersbach 1941 die ersten Lokomotiven. Diese Lokomotiven wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs vom Kampfgeschehen  überrollt. Leider sollten die nach Bayern und Österreich zurückkehrenden Loks auf der "Flucht" im tschechischen Trautenau und Polaun stranden. Durch eineWeisung der sowjetischen Besatzer wurden alle elektischen Anlagen in Mitteldeutschland und Schlesien als Reperation abgebaut und nach Russland gebracht. Dies beinhaltete auch die in der Sojezisch-besetzten-Zone verbliebenen E 94. Erst Mitte der 1950er-Jahre konnte die DDR diese teilweise stark heruntergekommenen Maschinen zurückkaufen.

Bis 1945 wurden 145 Maschinen fertiggestellt. Einige  E 94 wurden bei Bombenangriffe zerstört. Nach dem Krieg waren die "Krokodile" aus dem Zugförderungsdienst einfach nicht weg zu denken. So wurden neben den teilweisen schweren Güterzüge auch Schnell-und Personenzüge gefahren. Bis Anfang der 50er-Jahren wurden alle auch teilweise beschädigte E 94 wieder aufgearbeitet. So war die E 94 bis zum erscheinen der E 50 im Jahr 1957 die Güterzuglok schlechthin. Von 1950 bis 1955 wurden 43 weitere Machinen in Betrieb gesetzt. Die letzten gebauten E 94 erhielten ein anderen Fahrmotor, weshalb diese dann E 94.2 bezeichnet wurden. Ab 1970 bekamen diese dann die Loknummer 194 562-585.
Im Jahre 1965 kamen noch folgenden Bw als Beheimatung hinzu: Aschaffenburg, Heidelberg, Ingolstadt, Mannheim und Würzburg.

Ab 1960 begannen die ersten Rationalisierungsmaßnahmen bei der DB, man reduzierte die Zahl der Einsatz-Bahnbetriebswerke der Baureihe E 94. So verloren die Bw Bamberg, Neu-Ulm, Pressig-Rothenkirchen, Treuchtlingen und Ulm diese Maschinen. 1965 wurden die bislang in Rosenheim stationierten Loks nach Ingolstadt umbeheimatet. Trotz der zahlreich vorhandenen anderen Maschinen wie die E 40 und E 50 hatte die E 94 genug zu tun. Ab 1968, mit der Einführung der Computer-Nummern bei den Triebfahrzeugen, wurde die E 94 zur 194. Die in den 1960er-Jahren begonnene Konzentrierung von allen elektrischen Lokomotiven auf einige wenige Bahnbetriebswerke setzte sich auch ab 1970 fort. So verloren das Bw München-Ost und Regensburg und Aschaffenburg bis 1975 ihre Loks. Der Einsatz erfolgte weiterhin von Hagen-Vorhalle über Kassel sowie Singen im Südwesten bis nach Linz im Osten und Innsbruck im Süden.

Der Gesamtbestand blieb von 1957-1976 etwa gleich. Lediglich 194 140 wurde als erstes wegen eines Brandschadens 1976 ausgemustert. Als der Stern der 194 zu sinken begann, wurden in den folgenden Jahren alle 194 abgestellt, deren Zustand bei der Hauptuntersuchung einen starken finanziellen Aufwand bedeutet hätte. Ab 1984 zeigte sich ein leicht rückläufiges Güteraufkommen, wofür die vorhandenen Baureihen 139, 140 und 150 ausreichten. Inzwischen wurden nur noch bei rüstigen Maschinen Auslaufuntersuchungen gemacht, bwährend alle anderen, deren Fahrmotor verschlissen waren, ausgemustert wurden. Da sich inzwischen auch ein Problem mit den Ersatzteilen auftat, wurden die ausgemusterten Loks als Einzelteilspender hergenommen. Ab 1986 wurden keine Bedarfsausbessserungen mehr durchgeführt. Der gesamte Bestand der Baureihe 194 wurde 1986  nur noch bei zwei Betriebswerken geführt, dies waren: Ingolstadt und Nürnberg Rbf. Trotz der noch vorhandenen 101 Maschinen, wurden in den Laufplänen nur noch 63 eingesetzt. Zudem beschränkte ab 1986 die auf 100 km/h erhöhte Geschwindigkeit vieler Güterzüge die Einsatzmöglichkeit der 194er.

Ein kurzes Intermezzo war der 194.5 beschert: von Mitte Mai bis Oktober 1987 wurden acht Maschinen an die SBB vermietet. Durch ein starkes Verkehrsaufkommen hatte sich dort ein größerer Lokbedarf ergeben. Dieser konnte durch die eigenen SBB-Loks kurzfristig nicht gedeckt werden. Die 194 563-565,567 und 194 574-580 wurden von der SBB angemietet. Eingesetzt wurden die Loks im Basler Hafenverkehr und vom Depot Zürich aus.

Bis Ende 1987 waren nur noch 30 Maschinen im Einsatz, der Rest war schon abgestellt oder ausgemustert. Bis Ende Mai sank der Bestand weiter auf nur noch auf zwei Maschinen. Die letzte Leistungen einer DB 194 erbrachten am 29.05.1988 die in Ingolstadt beheimatete 194 112  und die heute noch erhaltene 194 158.

Die älteste noch planmäßig im Einsatz befindliche 194, genauer die 194 013, versah bis zur Ausmusterung am 27.09.1987 im Bw Nürnberg Rbf. ihren Dienst. Diese brachte es auf 47 Betriebsjahre! Inzwischen haben im Jahr 2010 allerdings auch schon einige Loks der Baureihe 110 die 50 Betriebsjahre überschritten, nur so zum Vergleich.

Zwischen 1987 und 1989 wurden die Mehrzahl von der DB an private Schrotthändler verkauft. Die Schrotthändler hatten sich verpflichtet, die zur Verschrottung anstehende Loks nicht an Dritte zu verkaufen. 

In Deutschland und Österreich sind heute (2010) noch 33 Maschinen der Baureihe 194 (E 94) und 1020 vorhanden, somit ein Sechstel der Gesamtstückzahl von 200 gebauten Exemplaren. Nun werfen wir wir zuerst einmal ein Blick auf die noch erhaltenen fahr-bzw. rollfähigen ehemaligen DB-Maschinen. Die der DR-Baureihe 254 und Reihe 1020 werden später später erwähnt.
Schon 1987 war von der Deutschen Bundesbahn die 194 579 als Museumslokomotive vorgesehen. Zur Teilnahme an den Nürnberger Fahrzeugparaden zum 150. Geburtstag 1985 wurde diese neu lackiert, doch erst 1988 wurde diese Lok weitgehend in den Ursprungszustand als E 94 279 versetzt. Unterhalten wird die Lok bis heute von der IG Deutsches Krokodil. Bis zum Fristablauf 2006 wurden immer wieder zahlreiche Sonderzüge, sogar teilweise Güterzüge bespannt.
Die 194 051 wurde 1987 an die Stadt Singen verkauft und auf einen Sockel gestellt, gelangte dann 2002 zur PEG um Güterzüge zu fahren. Seit 2004 wird diese nun von der Pfalzbahn in Worms eingesetzt. 
194 158 wurde kurz nach der Ausmusterung bei einem Schrotthändler in Lingen an der Ems von der Lokführerin Barbara Pirch erworben. Von der AGHE Krefeld wurde diese bis 2001 wieder aufgebaut und betriebsfähig gemacht. Diese war im Bundesgebiet immer wieder zu Sondereinsätze zu sehen. Seit 2008 ist diese schadhaft und nur noch rollfähig. Es ist aber wieder vorgesehen die Lokomotive wieder aufzuarbeiten.
194 580 gelangte 1987 zur Historischen Eisenbahn Frankfurt/Main, ehe diese ab 1996 zur IG 58 3047 Glauchau überstellt wurde, gelangte dann 2001 nach einer Hauptuntersuchung in betriebsfähigen Zustand vor Sondergüterzüge in den Einsatz. 2004 wurde diese dann an die Muldental Eisenbahnverkehrsgesellschaft (MTEG) vermietet. Durch einen Schaden an der Lok mußte man die Maschine erstmal abstellen, nach einer Repereatur im ÖBB-Werk Linz wurde die Lok nun im Jahr 2009 zur 194 178 umlackiert. Anschrift ist nachwievor 194 580.

Wird fortgesetzt..

Im nächsten Teil geht es um die DR-Baureihe 254.

Rißzeichnung von 254 052-4.

So viel schon mal in aller Kürze:

Bei der Deutschen Reichsbahn waren Anfang 1991 noch 8 Lokomotiven unter der Bezeichnung 254 oder im Volksmund "Eisenschweine" vorhanden, die bis auf die Museumslokomotive 254 056 alle noch 1991 außer Dienst gestellt wurden.
Die bei den ÖBB verbliebenen E 94 erhielten dort die Baureihenbezeichnung 1020 und wurden bis 1995 ausgemustert. Letzte Einsätze führten die Lokomotiven von Villach nach Tarvisio oder Jesenice und über die Arlbergbahn.

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