Fachbeitrag Strombrücken aus 1930

Die über die großen deutschen Ströme führenden Eisenbahnbrücken

Von Schaper - aus: Die Reichsbahn, Heft 19 vom 7. Mai 1930

Der Beitrag gibt einen zeitgenössischen Überblick über die Eisenbahnbrücken, die über die wichtigsten deutschen Ströme führen. Zunächst bringen wir die Brücken über den Rhein. In einer Reihe von noch folgenden Abhandlungen werden auch Elbe, Oder und Weser betrachtet werden. < www.eisenbahnarchiv.de - Redaktion >

Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft hat in der Sammlung "Ingenieurbauten der deutschen Reichsbahn" einen Überblick über ihre bedeutenderen Eisenbahnbrücken gegeben. Auch sind alljährlich in den Fachzeitschriften zusammenfassende Abhandlungen über die wichtigeren neueren Eisenbahnbrücken der Deutschen Reichsbahn erschienen. Sehr lehrreich on verjehrstechnischer, bautechnischer und baugeschichtlicher Hinsicht dürften auch Zusammenstellungen der über die einzelnen großen deutschen Ströme führenden Eisenbahnbrücken sein. Im folgenden sollen der Reihe nach die über den Rhein, die Elbe, die Oder und die Weser führenden Eisenbahnbrücken in der Reihenfolge von der Flußquelle bis zur Mündung im Zusammenhang kurz behandelt werden.

I. Die in Deutschland und zwischen Deutschland und dem Auslande über den Rhein führenden Eisenbahnbrücken:

1. Eisenbahn- und Straßenbrücke bei Konstanz

 

Bauart: Über drei Öffnungen durchlaufende vollwandige Bogenträger.
Stützweiten: 3 x 42,6 m.
Baujahr: 1858-1862.
Bauherr: Badische Staatsbahnen.
Eigentümer: Deutsches Reich.
Die Brücke dient zur Überführung der Strecke Singen-Konstanz über den Rhein und ist zugleich Straßenbrücke. Sie ist zweigleisig ausgebaut; es ist aber nur ein Gleis im Betriebe.

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2. Eisenbahnbrücke bei Waldshut

Bauart: Über drei Öffnungen durchlaufende, parallelgurtige Gitterträger mit obenliegender Fahrbahn.
Stützweiten: 37,24 - 54,9 - 37,24 m.
Baujahr: 1858-1859.
Bauherr: Badische Staatsbahnen.
Eigentümer: Schweizerische Bundesbahnen und Deutsches Reich.
Die Brücke führt die Strecke Waldshut-Turgi über den Rhein. Waldshut ist ein Bahnhof der Strecke Basel-Konstanz, Turgi liegt an der Strecke Basel-Zürich. Die Überbauten sind für zwei Gleise gebaut. Es ist aber nur ein Gleis im Betriebe, das bei den in den Jahren 1912/1913 ausgeführten Verstärkungsarbeiten in die Brückenachse gelegt wurde.

3. Eisenbahnbrücke in Basel

Bauart: Über vier Öffnungen durchlaufende parallelgurtige Gitterträger mit obenliegender Fahrbahn.
Stützweiten: 48,60 - 59,40 - 59,40 - 48,60 m.
Baujahr: 1872/1873
Bauherr: Schweizerische Zentralbahn; die Badischen Staatsbahnen beteiligten sich an den Kosten mit einem Drittel.
Eigentümer: Schweizerische Bundesbahnen
Die Brücke, die eingleisig ist, führt die Verbindungsbahn Basel Nadischer Bahnhof-Basel Schweizerischer Bundesbahnhof über den Rhein.

4. Eisenbahnbrücke bei Hüningen

Bauart: Einzelne parallelgurtige Fachwerkträger mit tiefliegender Fahrbahn über den drei Stromöffnungen und den zwei Flutöffnungen.
Stützweiten: 36 - 36 - 72 - 72 - 72 m.
Die Brücke ist zweigleisig, die Überbauten sind eingleisig. Das südliche Gleis wurde in den Jahren 1876/1877 von den Badischen Staatsbahnen und von den Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen, das nördliche Gleis in den Jahren 1905/1906 von den Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen allein gebaut.
Eigentümer: Frankreich.
Die Brücke führt die Strecke, die die beiderseitigen Rheinstrecken zwischen den Bahnhöfen Weil (Rhein) und St. Ludwig verbindet, über den Rhein.

5. Eisenbahnbrücke bei Neuenburg

Unterscheidet sich von der Brücke bei Hüningen nur dadurch, daß auf beiden Seiten je zwei Flutöffnungen, die von Überbauten von 28 m Stützweite überbrückt werden, angeordnet sind. Auch hinsichtlich der Baujahre, der Bauherren und des Eigentumverhältnisses gilt das gleiche. Die Brücke liegt an der zweigleisigen Strecke Müllheim-Mülhausen.

6. Eisenbahnbrücke bei Breisach

Die Bauart ist die gleiche wie die der Brücke bei Neuenburg. Auch die Stützweiten sind die gleichen. Die Brücke ist eingleisig, sie wurde in den Jahren 1876/1877 von den Badischen Staatseisenbahnen und von den Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen erbaut. Sie ist nicht wie die beiden Brücken bei Neuenburg und Hüningen zweigleisig ausgebaut worden. Die Brücke, die im französischem Besitz ist, führt die Linie Freiburg-Colmar über den Rhein.

7. Die Eisenbahnbrücke bei Kehl

Bauart: Über den drei Stromöffnungen durchlaufende, parallelgurtige Gitterträger von je 60 m Stützweite, daran anschließend auf der linken Rheinseite eine Drehbrücke mit vollwandigen, im Obergurt parabelförmig gekrümmten Hauptträgern von 2 x 32 m Stützweite, auf der anderen Seite eine feste Brücke mit vollwandigen Hauptträgern von 27 m Stützweite. Auch hier war zunächst eine Drehbrücke vorhanden. Sie ist aber nach der Sprengung im Jahr 1870 durch eine feste Brücke ersetzt worden. Die Überbauten sind zweigleisig und haben drei Hauptträger mit 4,5 m Mittenabstand. Die Stromüberbauten sind beiderseits mit Rücksicht auf das Straßburger Münster durch gußeiserne gotische Portale abgeschlossen.
Baujahr: 1858/1861
Die Überbauten wurden von den Badischen Staatsbahnen, die Pfeiler und Widerlager von der französischen Ostbahn hergestellt.
Die Brücke ist in französischem Besitz, sie dient der Überführung der Verbindungsbahn zwischen Appenweier und Straßburg über den Rhein.

8. Eisenbahnbrücke bei Wintersdorf

Bauart: Die drei Stromöffnungen werden von einzelnen Hauptparabelträgern mit Rhombenausfachung von je 92 m Stützweite und die Flutöffnungen von parallelgurtigen Fachwerksträgern mit Strebenfachwerk überbrückt. Auf der einen Seite der Stromöffnungen liegen vier, auf der anderen Seite fünf Flutöffnungen. Die Stützweiten betragen je 31,08 m. Die Stromüberbauten sind auf beiden Seiten durch steinerne Portale begrenzt.
Die Brücke ist zweigleisig, sie wurde in den Jahren 1893/1895 von den Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen erbaut, sie ist jetzt in französischem Besitz. Die Brücke führt die Verbindungsbahn Rastatt-Röschwoog zwischen den beiden Rheinstrecken über den Rhein.

9. Eisenbahn- und Straßenschiffsbrücke bei Maxau

Bauart: Hölzerne Fahrbahn auf eisernen Schiffskörpern.
Gesamtlänge der Brücke 362 m.
Baujahr: 1864/1865
Bauherr: Pfälzische Maximiliansbahngesellschaft und Stadtgemeinde Karlsruhe.
Späterer Eigentümer: Bayerische und Badische Staatseisenbahnen; jetziger Eigentümer: Deutsches Reich.
Die Brücke trägt in der Mitte ein Eisenbahngleis und zu beiden Seiten je eine 3,6 m breite Straßenfahrbahn.
Sie führt die Verbindungsstrecke Winden-Karlsruhe über den Rhein. Die Brücke wird demnächst durch eine feste Brücke ersetzt. Mit dem Bau wird voraussichtlich im Jahre 1931 begonnen.

10. Eisenbahnbrücke bei Germersheim

Bauart: Halbparabelträger mit zweifachem Fachwerk über den Stromöffnungen.
Stützweite der drei Überbauten je 90 m.
Baujahr: 1875/1878
Bauherr: Pfälzische Maximiliansbahngesellschaft
Späterer Eigentümer: Bayerische Staatseisenbahn; jetziger Eigentümer: Deutsches Reich
Die Brücke ist zweigleisig; sie dient der Überführung der Verbindungsbahn Germersheim-Bruchsal über den Rhein.

11. Eisenbahn- und Straßenschiffsbrücke bei Speyer

Bauart: Hölzerne Fahrbahn auf eisernen Schiffskörpern
Gesamtlänge der Brücke 402 m
Baujahr: 1872/1873
Bauherr: Pfälzische Ludwigsbahngesellschaft und Speyer- Heidelbergerbahngesellschaft.
Spätere Eigentümer: Bayerische und Badische Staatseisenbahnen;  jetziger Eigentümer: Deutsches Reich
Die Fahrbahn, die ein Gleis und die Straße trägt, ist 6 m breit.
Die Brücke führt die Verbindungsbahn Speyer-Heidelberg über den Rhein. Auch diese Schiffsbrücke wird bald durch eine feste Brücke ersetzt werden. der Bau wird voraussichtlich im Jahre 1932 begonnen.

12. Eisenbahnbrücke zwischen Ludwigshafen und Mannheim

Bauart: Parallelgurtige Fachwerkträger zweifachen Systems von je 89 m Stützweite über den drei Stromöffnungen.
Baujahr: 1865/1868
Bauherr: Badische Staatseisenbahnen und pfälzische Ludwigsbahngesellschaft.
Spätere Eigentümer: Badische und Bayerische Staatseisenbahnen; jetziger Eigentümer: Deutsches Reich
Die zweigleisige Brücke führt die Verbindungsbahn Ludwigshafen-Mannheim über den Rhein. Sie liegt auf gemeinsamen Widerlagern und Pfeilern unmittelbar neben der Straßenbrücke. Die Überbauten der Eisenbahnbrücke genügen den heutigen Lokomotivbelastungen nicht mehr. Die Straßenbrücke ist zu schmal, um den großen Straßenverkehr bewältigen zu können. Unmittelbar neben der alten Eisenbahnbrücke soll daher eine neue Eisenbahnbrücke gebaut werden, die die Pfeiler- und Widerlagerstellung der bestehenden Brücke aufweisen wird, und deren Überbauten parallelgurtige, über drei Öffnungen durchlaufende Fachwerkträger mit Rhombenausfachung erhalten werden. Die neue Brücke wird sich also in ihrer äußeren Form der alten anpassen. Mit dem Bau wird im Mai dieses Jahres begonnen werden. Die alte Eisenbahnbrücke wird zur Straßenbrücken hergerichtet werden, so daß künftig für den Straßenverkehr zwei Fahrbahnen zur Verfügung stehen werden, die den starken Straßenverkehr gut bewältigen können.

Fortsetzung folgt.

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