Algerien

Im Bahnhof von Oran scheint die Zeit still zu stehen. Foto vom Januar 2010 Ralf Störk.

Reisebericht von Ralf Störk

Betreiber der algerischen Eisenbahnen ist die Société Nationale des Transports Ferroviaires, kurz SNTF (Internet: www.sntf.org ), deren Züge täglich zwischen Algier, Oran, Béjaia, Skikda, Annaba, Constantine und weiteren Zielen verkehren. Das Streckennetz umfasst über 5000 km und konzentriert sich auf den nördlichen Landesteil, wobei einige Strecken derzeit gar nicht oder nur von Güterzügen befahren werden. Das gilt insbesondere für die Strecken ins Landesinnere. So ist auch die Schmalspurstrecke von Mohammadia nach Bechar im Westen von Algerien Geschichte. Das könnte sich aber auch wieder ändern, denn es gibt hier, wie anderswo im ganzen Land, umfangreiche Pläne für den Ausbau und Neubau von Eisenbahnstrecken. Geht es nach den Ankündigungen der SNFT, dann sollen nicht nur die 700 km bis Bechar in Normalspur wiederaufgebaut werden, sondern gleich noch weitere 800 km dazu durch die Sahara bis nach Tindouf an der Grenze zu Mauretanien. In wie weit diese ambitioniert erscheinenden Pläne jemals realisierbar sein werden, wird die Zukunft zeigen, zumal das Gesamtpaket auch eine „Trans-Maghreb- Hochgeschwindigkeitsstrecke“ von Marokko bis Tunesien enthält. Dazu müsste übrigens erst einmal die seit vielen Jahren komplett geschlossene Landesgrenze zu Marokko wieder geöffnet werden! Untätig war man bisher aber keineswegs und so wurden in der Vergangenheit bereits vielerorts neue Gleise verlegt, Streckenabschnitte begradigt oder zweigleisig ausgebaut und nicht zu vergessen die komplette Modernisierung des Nahverkehrs um Algier.

Ein Rapid nach Algier abfahrtbereit in Oran. Stolz verkündete der freundlich aus dem Fenster blickende Lokführer kurze Zeit später die Höchstgeschwindigkeit seines Gefährtes: Immerhin 160 km/h

Ankunft eines Zuges in Oran an einem Bahnsteig außerhalb der imposanten Bahnhofshalle

„La Gare d`Òran“ von der Straße aus betrachtet. Zwar nicht unbedingt in frz. Stil erbaut, aber mit der Sprache der ehemaligen Besatzungsmacht kommt man überall ganz gut durch

Und die Abfahrtstafel im Innern des Empfangsgebäude

Neben den lokbespannten Reisezüge mit Wagenmaterial frz. Bauart verkehren Flirttriebwagen der Firma Stadler, welche im Vorortverkehr (Banlieue) von Algier zum Einsatz kommen. Zusätzlich wurden ab 2008 17 dreiteilige Dieseltriebwagen vom span. Hersteller CAF angeschafft. Diese 160 km/h schnellen Fahrzeugen der Baureihe ZZ 2200 entsprechen denen der Reihe R-598 der Renfe, verfügen jedoch über keine Neigetechnik. Mit diesen Fahrzeugen wurden zusätzliche Züge eingeführt, wovon im Januar 2010 aber (noch?) nicht alle geplanten Leistungen tatsächlich auch gefahren wurden. Das „fahrplanmäßige“ Zugangebot kann der leider nur temporär erreichbaren SNTF- Website http://www.sntf.dz; bzw. der aktuellen Ausgabe des Th. Cook Overseas Timetable entnommen werden konnten. Der Zugverkehr ist auf den allermeisten Strecken nur spärlich, häufig verkehrt nur ein Zugpaar täglich. So auch im östlichen Teil der West-Ost- Hauptstrecke, wo zwischen Constantine und Annaba nur der Nachtzug nach Algier verkehrt und somit ist eine Bereisung dieses Abschnittes bei Tageslicht derzeit unmöglich.

Einfahrt des Personenzuges von Oran nach Tlemcen. Die Rückfahrt startete pünktlich nur 15 Min. später, dazwischen: Umfahren der Lok und Umsetzen der kompletten Fuhre nach Gleis 2, warum auch immer…………..

Bahnhofshalle von Tlemcen, vor vielen Jahren auch Zwischenstation des „Maghreb-Express“ nach Casablanca.  Leider ist die Grenze nach Marokko nicht nur auf der Schiene geschlossen.

Wegen sehr ungünstiger Fahrpläne ist auch eine durchgehende Bahnfahrt von Algerien bis Tunesien umständlich und würde fast ganze drei Tage dauern. Unterwegs hätte man zwei sehr lange Aufenthalte, in Annaba nach Ankunft des Nachtzuges am Morgen bis zur Abfahrt erst um 16:40 h nach  Shouq Ahras. Dort angekommen von 19:00 h bis 13:35 h am nächsten Tag und schließlich auf tunesischer Seite in Ghuardimao könnte am gleichen Tag auch nicht mehr bei Tageslicht bis nach Tunis weitergefahren werden. Außerdem gibt es Anzeichen dafür, welche zumindest auf ein unregelmäßiges Verkehren des internationalen Zuges hindeuten könnten.

Bei der Eisenbahn alles topp! Außer der Tatsache vielleicht, dass mancherorts kaum Züge verkehren. Auch hier in Constantine ist das schienengebundene Angebot „überschaubar“ und der weitere Verlauf der Ost-West- Hauptstrecke wird von einem Nachtzug befahren.

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