2015 – Von Slowenien nach Ostpreußen – Teil 2 des Reiseberichts

Sonntag, 10. Mai 2015

Fahrplan:

07:38 ab Zilina mit EX 126
11:01 an Ceska Trebova (deutsch: Böhmisch Trübau)

11:47 ab Ceska Trebova mit R 865 mit Kurswagen nach Jesenik
13:02 an Brno (deutsch: Brünn)
13:18 ab Brno Weiterfahrt als R 911
15:23 an Zabreh na Morave (deutsch: Hohenstadt an der March)
15:32 ab Zabreh ma Morave Weiterfahrt als R 1411
17:10 an Jesenik (deutsch: Freiwaldau)

17:23 ab Jesenik mit Sp 1667
17:59 an Glucholazy (deutsch: Bad Ziegenhals)

18:09 ab Glucholazy mit R 60835 (ab Nysa (deutsch: Neiße) als R 60834)
20:07 an Opole (deutsch: Oppeln)

Karte* (Fahrtweg in grün):

Polen-1-640

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Bevor ich das Hotel verließ, wurde erst einmal vom Hotelfenster aus der Bahnhof von Zilina festgehalten. Dann ging es mit einem Lunchpaket versorgt zum Frühexpress Zilina - Prag, der sich zunächst langsam seinen Weg durch die Baustellen bei Zilina seinen Weg bahnte. Die Lärmschutzwände waren weitgehend schon vorbereitet.

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Nach abwechslungsreicher Fahrt führte der Zuglauf von der Slowakei in die Tschechische Republik.Dort stieg ich in Ceska Trebova aus und hatte dort Glück 350 003 der ZSSK mit einem Zug nach Brünn zu fotografieren.

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Dieser Fahrplantag gestaltete sich bei der Planung recht schwierig, da als Fahrtziel für Montag Krakau vorgesehen war. Ich sträubte mich, den direkten weg über Bohumin (deutsch: Annaberg) und Katowice (deutsch: Kattowitz) zu nehmen. Je nach Startpunkt in der Slowakei war aber schon der direkte Weg recht langwierig, da die Umsteigeaufenthalte in Zilina und Kattowitz relativ lange ausgefallen wären. Durch Zufall entdeckte ich, dass in Ceska Trebova nur am Wochenende ein Kurswagenzug verkehrte. Der Zuglauf von Prag aus führte über Ceska Trebove eigentlich sinnlos im Kreis herum zunächst in die falsche Fahrtrichtung. Über Brünn lief der Zug weiter über Olomouc (deutsch: Olmütz). Dies bedeutete, dass ich Olomouc an diesem Tag zweimal im Abstand von etwa 4 1/2 Stunden anfuhr, nur um über eine Nebenroute nach Polen zu reisen.

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In Zabreh na Morave wurde der Kurswagen geteilt. Die vorderen drei Wagen fuhren mit der E-Lok nach Sumperk (deutsch: Mährisch Schönberg) weiter. Die hinteren zwei Wagen fuhren auf der landschaftlich äußerst reizvollen eingleisigen Dieselstrecke nach Jesenik weiter.

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Mit etwa 10 Minuten Verspätung erreichte  der Kurswagenzug Jesenik. Dort bestand Anschluß an den Eilzug nach Krnov (deutsch: Jägerndorf). Der Zuglauf von Jesenik nach Krnov verlief bis 2006 im Korridorverkehr ohne Ausstiegsmöglichkeit über polnisches Gebiet.

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Im bereits in Polen liegenden Bahnhof von Glucholazy (deutsch: Bad Ziegenhals) machen die Züge der CD Kopf um weiter nach Krnov zu verkehren. Seit 2006 kann in Glucholazy ausgestiegen werden und mit etwas Glück gibt es dann Anschluß an die Züge der PKP in Richtung Nysa (deutsch: Neiße) und weiter bis nach Opole (deutsch: Oppeln).

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Der Regional-Triebwagen der PKP macht in Nysa Kopf, um weiter nach Opole zu fahren. dabei entstand das Bild einer Dampf-Lok der Baureihe 52, die von der Natur zurück erobert wird.

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Zu den Sehenswürdigkeiten von Opole gehört der alte Oppelner Hauptbahnhof, der auch im Inneren herausragend renoviert ist. Unmittelbar nach Ankunft wurde die für den nächsten Tag errforderliche Reservierung für den IC nach Krakow vorgenommen. Ein Unterfangen, dass schließlich gelang, sich aber etwas schwierig gestaltete.

 Montag, 11. Mai 2015

Fahrplan:

08:28 ab Opole mit IC 6302
11:13 an Krakow (deutsch: Krakau)

Karte* (Fahrtweg in grün):

Polen-2-640

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Der Keilbahnhof von Opole zeigte sich bei der Abfahrt umfassend modernisiert.

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Tagesziel für diesen Tag war Krakow, das mit einem Intercity der PKP erreicht wurde. Die Fahrt führte über Czestochowa Stradom (deutsch: Tschenstochau)  teils eingleisig weiter, wobei bei Geschwindigkeiten von 150 km/h das Geräusch einer Klotzbremse recht ungewohnt klang. Ach so wie früher...
Das alte Empfangsgebäude in Krakow liegt unmittelbar an dem neuen Bahnhof der PKP mit angeschlossenem Einkaufscenter.

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Krakau ist eine Reise wert. Geboten wird Glanz aus alten k.u.k.-Tagen.

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Der Türmer bricht sein stündliches Trompetenblasen immer jäh nach vier Tönen ab. Überliefert ist die Geschichte, dass er den Feind kommen sah und als er im Begriff war, die Stadt zu warnen, von einem Pfeil getroffen wurde.

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Sehenswert ist auch das jüdische Viertel in Krakau-Kazimierz. Im Ariel, wo schon Steven Spielberg dinierte, genoß ich einen leckeren Pessah-Käsekuchen.

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Auch der Wawel, die Burg, die über Krakau thront, wurde besichtigt. Fazit: Krakau ist eine Reise wert.

Dienstag, 12. Mai 2015

Fahrplan:

08:02 ab Krakow mit EIC 3502 (über Warszawa)
13:33 an Gdansk Glowny (deutsch: Danzig Hbf)

18:28 ab Gdansk mit R 50646
19:15 an Malbork (Marienburg)

Karte* (Fahrtweg in grün):

Polen-3-640

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Früh am Dienstag startete ich vom modernen Krakauer Hbf aus über Warschau und Dirschau nach Danzig. Dabei hatte ich Gelegenheit den erst seit 14. Dezember 2014 eingesetzten Pendolino von Alstom auf dem Hochgeschwindigkeitskorridor zwischen Krakau - Warschau und Danzig zu nutzen.

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Die Fahrt auf dem reservierten Sitzplatz gestaltete sich bei der etwa 5 1/2 stündigen Fahrt recht angenehm. Während die Fahrt zwischen Krakau und Warschau sehr gut ausgelastet war, saßen zwischen Warschau und Danzig nur 3 Fahrgäste in meinem Wagen. Eine Hauptattraktion auf dem Fahrtweg war die zwischen Malbork (deutsch: Marienburg und Gdansk (deutsch: Danzig) liegende Weichselbrücke von Dirschau (Länge ca. 1.074 Meter). Das Video hierzu ist leider für die Wiedergabe zu groß.

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Der Danziger Hauptbahnhof zählt mit Sicherheit zu den schönsten Bahnhöfen und präsentierte sich äußerlich im Originalzustand wie auf alten Postkarten.

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Und wieder galt es, eine sehenswerte Stadt zu besichtigen. Hier der alte Hafen von Danzig.

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Der Neptunbrunnen in der Altstadt. Fazit: die Stadt ist ebenfalls sehr sehenswert.

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Nun ging es zu meinem Übernachtungsquartier in Malbork (deutsch: Marienburg) weiter. Bei der Durchfahrt in Tczew (deutsch: Dirschau), dem bedeutendsten Bahnknotenpunkt im Norden Polens, staunte ich nicht schlecht als ich einen Güterzug mit einer modernen E-Lok vom Typ Vectron der Deutschen Bahn AG sah. Vom Feinsten präsentierten sich das Empfangsgebäude in Malbork samt Vorplatz und Innenräumen des Bahnhofs Malbork.

Mittwoch, 13. Mai 2015

Fahrplan:

14:36 ab Malbork mit R 50725
16:44 an Olsztyn (deutsch: Allenstein/Ostpreußen)

16:53 ab Olsztyn mit R 90805
19:34 an Elk (deutsch: Lyck/Masuren)

Karte* (Fahrtweg in grün):

Polen-4-640

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Ein weiterer Höhepunkt der Reise war der Besuch der Marienburg. Die Burg ist der größte Backsteinbau Europas und war von 1309 bis 1454 Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens. Meine sehr hohen Erwartungen an die Besichtigung wurden bei Weitem übertroffe. Fast 3 1/2 Stunden lang besichtigte ich ausgerüstet mit einem Audioguide alle zugänglichen Räume der Anlage.

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Ein Blick über die Nogat, einem Mündungsarm derWeichsel, auf die Ordensburg.

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Im Nahverkehr zwischen Danzig und Marienburg verkehren Triebwagen der Baureihe EN 57, die zwischen 1961 und 1993 gebaut wurden. Meine Fahrt führte mich mit einem zweiteiligen Pesa-Dieseltriebwagen über Elbag (deutsch: Elbing) weiter nach Olsztyn (deutsch: Allenstein/Ostpreußen). Der Triebwagen hatte technische Probleme, so dass wir schon bald mit +12 Minuten dem Fahrplan hinterherfuhren, was in Anbetracht der eher knappen Umsteigezeit in Olsztyn nicht gerade beruhigend war. Erneut machte ich eine kuriose Sichtung. Eine E-Lok vom Typ 183 der ZSSK (siehe Bild in Poprad-Tatry) stand mit einem Güterzug in Elbag. In Olsztyn wurde am gleichen Bahnsteig wieder "fliegend" umgestiegen. Damit war dort kein Bild möglich, dafür ergatterte ich einen der wenigen noch freien Sitzplätze des zweiteiligen Pesa-Dieseltriebwagens. Eine Station östlich von Olsztyn - Bahnhof Legajny (deutsch: Lengainen)- sah ich dann erneut eine DB Vectron mit Güterzug, dann in Korsze (deutsch: Korschen) nahe der russischen Enklave Königsberg stand eine von der CD verliehene Taucherbrille im Bahnhof. Weiter in Ketrzyn (deutsch: Rastenburg) war in der Gegenrichtung eine Doppeltraktion Taigatrommeln mit einem Güterzug unterwegs. Ich staunte, dass es so etwas noch gab!

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In Elk (deutsch: Lyck/Masuren) angekommen standen der Pesa-Triebwagen aus Olsztyn und der Regionalzug nach Bialystok nebeneinander. Just in diesem Moment fuhr ein Güterzug mit einer Doppeltraktion Taigatrommeln in Richtung Olsztyn ab. Das Video ist für einen Downlaod leider zu groß.

Donnerstag, 14. Mai 2015

Fahrplan:

08:47 ab Elk mit R 90948
12:17 an Olsztyn (deutsch: Allenstein/Ostpreußen)

13:12 ab Olsztyn mit TLK 57106
17:33 an Poznan (deutsch: Posen)

Karte* (Fahrtweg in grün):

Polen-5-640

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Nachdem ich über die nördliche Route über Korschen und Rastenburg nach Lyck gereist war, verließ ich Lyck über die südliche Strecke, die über Pisz (deutsch: Johannisburg) führt. Die mittlere Strecke, die über Mikolajki (deutsch: Nikolaiken) führt, ist seit dem 1. September 2009  zwischen Mragowo (deutsch: Sensburg) und Elk stillgelegt.

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Blick aus dem Triebwagen nach Olsztyn im Bahnhof Elk.

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Den Triebwagen schmückte das Wappen der Region Ermland-Masuren.

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Triebwagen aus Elk nach der Ankaunft im häßlichen Bahnhof von Olsztyn. Landschaftlich konnte die südliche Route nicht mit der am Vortag befahrenen Strecke über Korschen mithalten. Die südliche Strecke führt weitgehend durch Wälder und war zwischen 2007 und 2013 wegen Oberbauschäden abschnittsweise stillgelegt. Während auf meiner Fahrt anfangs die Fahrgeschwindigkeit etwa bei 50 km/h lag, konnte zwischen Biala k. Piszu (deutsch: Bialla) und Kaliski (deutsch: Kallischken) nur noch im Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. In Pisz begenete meinem Zug ein Güterzug nach Elk, der mit Doppeltraktion Taigatrommeln geführt wurde. In Pisz war auch ein ehemaliger kleiner Ringlokschuppen zu sehen. Ab Pisz konnte die Strecke dann mit 80 km/h und ab Szcytno (deutsch: Ortelsburg) einem größeren Bahnhof mit kleinem Ringlokschuppen mit 100 km/h befahren werden.

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In Olsztyn stand EP 09 046 eine für 160 km/h zugelassene Schnellzug-E-Lok in Originallackierung abgestellt.

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Für meine Weiterfahrt nutzte ich TLK 57106, der von Olsztyn über Ostroda (deutsch: Osterode in Ostpreußen), Ilawa (deutsch: Deutsch Eylau), Torun (deutsch: Thorn), Inowroclaw (deutsch: Inowrazlaw), Gniezno (deutsch: Gnesen) nach Poznan (deusch: Posen) fuhr.

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Dies war der von mir genutzte TLK nach Posen im Allensteiner Hauptbahnhof mit der für 125 km/h zugelassenen E-Lok EP 07 1023. Auch wenn es sich um die niedrigstrangige Zuggattung im Fernverkehr der PKP handelt, ist eine kostenlose Sitzplatzreservierung obligatorisch. Das Wagenmaterial erinnerte mich sehr stark an meine seinerzeitigen Reisen im Gebiet der Deutschen Reischbahn der DDR. Zum Einsatz kommen klotzgebremste Schnellzugwagen mit Acht-Sitzplätzen pro Abteil 2. Klasse. Der Zug war recht gut besucht. Insgesamt ist diese wichtige Hauptstrecke derzeit schwer von Bauarbeiten beeinträchtigt. So konnte zwischen Ilawa und Jablonowo lange nur im Schritttempo gefahren werden. In Jablonowo sah ich dann auch einen ehemaligen Triebwagen der DB Baureihe 628.0, die lange Zeit auf meiner Hausstrecke der Ammerseebahn zwischen Augsburg und Weilheim im Einsatz waren. Heute fahren diese Triebwagen unter der Flagge der Arriva. Gehören also wieder zum DB-Konzern. Eigentlich ein Treppenwitz der Geschichte...
Der Bahnhof von Torun zeigte sich als Großbaustelle. Das Empfangsgebäude war entkernt und nur noch eine geringe Anzahl der Bahnsteige waren für Reisende zugänglich.

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Für unsere Freunde der Bahnreform. 170 052 der DB AG wartete im Vorfeld des Posener Hbf auf neue Aufgaben. Die E-Lok vom Typ Vectron ist nur in Polen zugelassen und fährt dort im Güterzugdienst.

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Auf dem Weg ins Hotel konnte das für Kaiser Wilhelm II. zwischen 1905 und 1913 erbaute Kaiserschloß in Posen fotografiert werden. Der Bau gilt als einer der letzten großen Schloßbauten in Europa und wurde von Albert Speer nach 1940 zu einer Führeresidenz umgebaut.

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Später ging es dann noch in die Innenstadt, wo ein Triebwagen der Linie 27 abgelichtet werden konnte.

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Posen weist einen sehr schönen Innenstadtbereich auf.

Freitag, 15. Mai 2015

Fahrplan:

07:40 ab Poznan mit R 76922
10:39 an Wroclaw (deutsch: Breslau)

10:53 ab Wroclaw mit R 6284
13:35 an Lichkov

14:36 ab Lichkov mit Os 7181
14:42 an Dolni Lipka

14:36 ab Dolni Lipka mit Os 7150
15:31 an Letohrad (deutsch: Geiersberg)

15:33 ab Letohrad mit Sp 1956
16:53 an Hradec Kralove (deutsch: Königgrätz)

17:25 ab Hradec Kralove mit R 1264
17:39 an Jaromer

18:23 ab Jaromer im Schienenersatzverkehr
19:53 an Stara Paka (deutsch: Altpaka)

20:31 ab Stara Paka mit R 1262
21:58 an Liberec (deutsch: Reichenberg)

geplant war: 17:25 ab Hradec Kralove direkt nach Liberec an 19:58

Karte* (Fahrtweg in grün):

Polen-6-640

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Wie in allen Ländern meiner Reise wurde auch in Polen die Abfahrt der Züge nicht nach Gleisnummern, sondern nach Bahnsteig und Gleis angegeben. Dies führte teilweise zu kuriosen Bezeichnungen, die man sich kurzzeitig einprägt und psalmartig wiederholt bis man vor dem gewünschten Zug steht. So auch in Posen. Meine Abfahrt war auf Bahnsteig 4a Gleis 55. Ohne Aushang eines Bahnhofplanes hätte ich den Zug nicht ohne fremde Hilfe gefunden. Vorher wurde noch EP 09 036 in Lackierung der OKP Intercity im besten Licht festgehalten.

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Eigentlich hätte ich in Posen länger ausschlafen und frühstücken können, wenn ich den IC nach Wroclaw (deutsch: Breslau) genutzt hätte. Mit diesem Zug wäre ich um 08:28 in Posen abgefahren und hätte Breslau um 10:45 erreicht. Da ich aber unbedingt den Anschlußzug über Glodzko (deutsch: Glatz) nach Lichkov in der Tschechischen Republik erreichen wollte, der um 10:53 abfuhr, sagte mir meine Erfahrung lieber mit dem Regionalzug ab Posen um 07:40 zu fahren, um so Breslau um 10:39 wenige MInuten vor dem IC zu erreichen. Diese Entscheidung war goldrichtig. Der Regionalzug fihr laufend schon seinem Plan hinterher und gerade kurz vor Breslau mussten in eingleisigen Baustellenabschnitten Gegenzüge abgewartet werden. Mein regionalzug erreichte Breslau genau zur Abfahrtszeit des Zuges nach Glatz. Also war wieder fliegendes Umsteigen notwendig. In der Tat fuhr der Zug nach Glatz nur 3 Minuten nach Plan ab, als IC-Reisender hätte ich gar keine Chance gehabt.
Mein Regionalzug hatte in Rawicz (deutsch: Rawitsch) wenige Minuten Aufenthalt, die für dieses Bild ausreichten. Übrigens dieser Nahverkehrszug war klimatisiert, hatte eine Bordbsitro und in der 2. Wagenklasse einen Sitzplatzabstand, dn es in Deutschland nicht einmal in der 1. Klasse gibt. Überhaupt hatte ich bei meiner Reise teilweise den Eindruck aus einem Entwicklungsland zu kommen. WLAN in Zügen und ausreichende internetfähige Onlineverbindung ist im Osten Europas deutlich mehr selbstverständlich als bei uns. dafür haben wir ja in Deutschland die schwarze Null.

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Wieder für Freunde der Bahnreform: Wagen der DB Schenker Rail Polska im Bahnhof Glatz.

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Von Breslau aus nach Lichkov und teileweise sogar bis Ust nad Orlici verkehren polnische Triebwagen. EN 57 820 wartete im polnischen Grenzbahnhof Miedzylesie auf die Weiterfahrt nach Lichkov.

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In Lichkov (Tschechische Republik) kreutzen zwei polnische Triebwagen. Zur Sicherung der nach Dolni Lipka umsteigenden Reisenden steht ein Bahnbeamter am Bahnsteig.

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Die polnischen Triebwagen tragen das Wappen von Niederschlesien und zeigen angedeutet die Hügel Schlesiens in der Lackierung.

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Lichkov ist nicht gerade der Nabel der Welt. Wenn man bedenkt, dass im Grenzverkehr noch der eine oder andere Güterzug unterwegs ist, wird es einem zumindest dort nicht ganz langweilig. Die Strecke von Letohrad und Usti nad Orlici wurde erst 2009 mit EU-Mitteln elektrifiziert, um diese Lücke zwischen für den grenzüberschreitenden Verkehr zu schließen.

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Die Wartezeit in Lichkov wurde spontan für einen Kurzausflug nach Dolni Lipka genutzt. Dort stand eine RegioNova abgestellt. Der andere Triebwagen fuhr nach wenigen Minuten zurück nach Lichkov und weiter nach Letohrad, wo ich fliegenden Anschluß an den Eilzug nach Hradec Kralove (deutsch: Königgrätz) hatte.

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Architektonisch sehr streng zeigt sich der Hauptbahnhof von Königgrätz. Noch ahnte ich nicht, dass ich Opfer eines unvermuteten Schienenersatzverkehrs werden sollte.

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Während ich auf meinen Schnellzug nach Liberec (deutsch: reichenberg) wartete fuhr am Nachbarbahnsteig ein moderner Regio-Panther ein.

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Gott sei Dank hatte ich vor Abfahrt in Königgrätz noch Tschechische Kronen am Bankomaten gezogen. Die monotone Durchsage im Bahnhof hätte mich daraufhinweisen wollen, dass Reisende nach Liberec bis Stara Paka den Expressbus im Schienenersatzverkehr benutzen sollen. Doch ohne tschechische Sprachkenntnisse ging diese Ekenntnis an mir vorbei. Aus dem Display in der Bahnhofshalle wurde ich auch nicht schlau. Merkwürdig war nur am Bahnsteig, dass mein Zug mit richtiger Zugnummer, aber ohne Fahrtziel angezeigt wurde. Also stieg ich ein. Als ich das Essigsäurengesicht des Schaffners sah, wußte ich, daß etwas "größeres" nicht stimmte. Den Expressbus hatte ich versäumt, nun mußte ich an der nächsten Station Jaromer aussteigen und dort erst einmal länger auf den Bus warten, der über die Dörfer fuhr. Mit diesem Manöver verlor ich zwei Stunden Reisezeit und kam in Liberec erst um etwa 22 statt um 20 Uhr an. Die gute Nachricht: ich kam überhaupt noch ans Ziel und es war nach fast zwei Wochen Fahrt die erste Pleite im Fahrplangefüge und dies dann auch noch nicht mitten im Reisetag, sondern erst beim letzten Zug des Tages. Also hatte ich noch Glück im Unglück. Dies stimmte mich aber doch nachdenklich, da ich letztes Jahr bei einer eintägigen Fahrt München - Braunau - Linz - Budweis - Klattau - Plattling - Müchen kurz vor Budweis ebenfalls Opfer eines nicht erkennbaren Schienenersatzverkehrs geworden war und damals meinen Anschlußzug noch auf der letzten Rille errreichte.

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In Liberec war ich im Hotel Praha untergebracht. Aufgrund meiner verspäteten Ankunft konnte ich leider dort nicht zu Abend essen. Sehenswert in diesem Jugendstil-Hotel ist nicht nur der Lift.

Samstag, 16. Mai 2015

Fahrplan:

08:02 ab Liberec mit R 1265
08:39 an Turnov (deutsch: Turnau)

08:44 ab Turnov mit R 1143
09:15 an Mlada Boleslav (deutsch: Jungbunzlau)

09:22 ab Mlada Boleslav mit R 1103
10:10 an Kolin

10:36 ab Kolin mit R 865 (über Pardubice)
13:02 an Brno (deutsch: Brünn)

13:21 ab Brno mit RJ 75
14:52 an Wien Hbf

15:48 ab Wien Hbf mit RJ 66
20:27 an München Hbf

20:32 ab München Hbf mit RB 59469
21:11 an Weilheim

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Vor meine frühen Abreise erhaschte ich noch einen Eindruck von Liberec. Am Marktplatz mit Hotel Praha und dem rathaus herrschte Zuckerbäckerstil vor.

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Hier noch ein Bild meines Schnellzuges nach Turnov, der bis nach Pardubice vor. Die Garnitur mit 843 015 stellte sich als recht bequem dar. In Turnov wurde in eine ähnliche Garnitur umgestiegen, die weiter nach Prag fuhr. Für mich galt es aber in Mlada Boleslav erneut in einen Schnellzug-Triebwagen nach Kolin umsteigen.

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In Kolin konte dann noch ein "City-Elefant" dokumentiert werden.

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Ebenso ein Doppelstockzug mit 363 030. Als Banhvielfahrer bin ich eigentlich einiges gewohnt. Was die Informationspolitik an die Reisenden angeht, kann ich alles, aber kein Loblied auf den Bahnverkehr in der Tschechischen Republik singen. Denn hier entgleiste mein Reiseprogramm erneut. Ich wollte eigentlich ab Kolin den Schnellzug um 10:47 in Richtung Brno über die westliche Route nehmen, um so über Iglau und Znaim nach Retz und Wien zu gelangen. Nachdem Kolin etwa eine Stunde vom Startbahnhof des Schnellzuges in Prag entfernt liegt, sah ich keinerlei Grund, warum diese Verbindung nicht klappen sollte. Ich stehe also am Bahnsteig des Zuges nach Brno zusammen mit vielen Reisenden. das Display zeigt keinen Zug an. Nun ist die Abfahrtszeit überschritten. es gibt keine Durchsagen und das Display bleibt weiter leer. Es ist nun etwa 11.00. Mein Anschlußprogramm ist bereits Datenschrott geworden. da sehe ich ein paar Bahnsteige weiter einen kurzen Schnellzug in die richtige Richtung einfahren. Ich eile mit meinem Gepäck zu diesem Bahnsteig und siehe da dieser Zug fährt nach Brno. Allerdings über die schnellere östliche Routeüber Pardubice. Im Zug stimme ich mit dem freundlichen Schaffner meine nächsten Verbindungen ab. Die Reise über Znaim wäre noch möglich, ich würde aber Wien zu spät für die Weiterfahrt nach München erreichen.

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Also plane ich um und fahre über Ceska Trebova nach Brno, wo mich der Railjet Prag - Graz einholt, den ich bis Wien Hbf benutze.

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Der Railjet ist eine neue Garnitur der CD, die ich im ebenfalls relativ jungen Wiener Hbf ablichte.

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Mit diesem Bild von Wien Hbf endet mein Reisebericht. Fazit: eine äußerst sehenswerte Reise, die meinen Horizont erweitert hat.

*) Karte aus Auslands-Kursbuch der Deutschen Bundesbahn

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