Wendebüchse

Wendezugbüchse der Dampflokfreunde Osnabrück

Beitrag von Karsten Büche: 1948 begann die Deutsche Bundesbahn den Wendezugverkehr im Raum Frankfurt am Main. Als Zuglok wurde die Baureihe V36 ausgewählt.

Zuerst wurden 4-achsige Steuerwagen VS145 und dann überwiegend zum Steuerwagen umgebaute Donnerbüchsen eingesetzt, die im Fachjargon Wendezugbüchsen bezeichnet wurden. Im Rahmen des Umbaus erhielten die  Donnerbüchsen auf der einen Seite ein kleines Steuerabteil mit Gepäckabteil. In Deutschland gibt es zurzeit noch 2 Exemplare dieser Wendezugbüchsen. Eine steht bei den Dampflokfreunden in Osnabrück und die andere beim Verein  Bahnhof Münsingen. Beide Wagen sind übrigens fahrbereit und laufen auch als Beiwagen in den Sonderzügen der Vereine mit.

Der Wendezugwagen 82 922 Wuppertal, Cif-27/33/54 von den Dampflokfreunden Osnabrück besitzt ein Hagenuck-Steuergerät.
Mit freundlicher Genehmigung der Dampflokfreunde Osnabrück können wir zu diesem Wagen folgende Beschreibung und technische Daten nennen:

Der Wagen 82 922 Wuppertal, Cif-27/33/54 wurde 1927 von den Linke-Hoffmann-Werken in Breslau geliefert. Vorerst war er in der Eisenbahndirektion Dresden mit der Betriebsnummer 52 561 als Di-27 eingesetzt. Nach dem Wegfall der 4.Klasse 1928 lief er als Cid-27 weiter. Ab 1930 bekam er die Betriebsnummer 82 922. In den 30er-Jahren wurde der Wagen mit 3.Klasse-Sitzen ausgestattet, wobei ein Abort ausgebaut wurde, die Gattung änderte sich von Cid-27 zu Ciu-27/33.

Von März bis Juni 1954 wurde der Wagen beim DWM in Berlin zum Wendezugbefehlswagen Cif umgebaut, d.h. der Wagen konnte von nun an der Spitze eines Zuges laufen. Von hier aus konnte zwar nicht direkt die Lok gesteuert werden, sondern es konnten über eine Apparatur dem Lokführer Befehle erteilt werden, die dieser dann durch die Apparatur bestätigen und entsprechend ausführen musste. Bremsungen konnten direkt vom Befehlswagen aus ausgeführt werden, teilweise konnte notfalls auch der Regler der Dampflok vom Befehlswagen aus geschlossen werden. Der Einsatz von Befehlswagen ermöglicht es, in Kopfbahnhöfen das Umsetzen der Lok einzusparen. Versuchsweise geschah dies ab Ende der 30er-Jahre, im großen Stil ab Anfang der 50er-Jahre. Zu dieser Zeit wurden unterschiedlichste Personenwagen zu Wendezug-Befehlswagen umgebaut, u.a. auch Donnerbüchsen. Bei allen Wagen, die als Mittelwagen in Wendezügen eingesetzt waren, mussten zudem eine elektrische Steuerleitung sowie eine Druckluftbehälterleitung installiert werden. Beim Umbau zum Befehlswagen wurde an einem Ende des Wagens ein Führerstand mit dahinterliegendem Gepäckraum eingebaut, dafür wurden entsprechend Sitze entfernt, außerdem wurden in der Stirnwand Fenster installiert, die Stirnwandschiebetür durch eine Drehtür ersetzt (die Schiebetür hätte im offenen Zustand die Sicht versperrt). Das Bühnengeländer wurde für eine bessere Sicht verändert, ein Dreilicht-Spitzensignal, ein Horn sowie eine Sicherheitsfahrschaltung (Totmannsknopf) installiert. Beim Umbau wurden auch die Einrichtungen zum Einsatz als Lazarettwagen entfernt (Zusatzdrehtür) / festgelegt (klappbares Bühnengeländer), dies geschah auf beiden Stirnseiten des Wagens. Im Dezember 1963 war der aktive Einsatz dieses Wagens als Personenwagen beendet.

1992 kauften die Dampflokfreunde Osnabrück den Wagen. Von 1995 bis 2000 wurde der Wagen im Zustand der 50er-Jahre als Wendezugbefehlswagen aufgearbeitet und wird seitdem im Museumszug eingesetzt.

Technische Daten:

Sitzplätze: seit dem Umbau zum Steuerwagen 44, vorher: 66 Eigengewicht: 29,5 t Lüp:  13,92 m Achsstand: 8,5 m Bremse: Kkp-Bremse (Kunze-Knorr Personenzugbremse) mit Handbremse Vmax:  90 km/h Dampfheizung (zur Zeit nicht eingebaut) Baujahr: 1927
Zustand: aufgearbeitet,  bahnamtlich abgenommen Einsatz im Museumszug.

Hiermit möchte ich mich bei den Osnabrücker Dampflokfreunden herzlichst bedanken für ihre Freigabe und für die Bilder.

82 951 Esn

Außer der Wendebüchse der Osnabrücker Dampflokfreunde existiert  in Deutschland noch eine zweite Wendebüchse. Diese steht beim Verein Bahnhof-Münsingen.

Gebaut wurde der 82 951 Esn im Jahr 1927 bei der Firma Linke-Hoffmann in Breslau in der Bauart Di-27 . Er wurde zunächst der Reichsbahndirektion Frankfurt zugeteilt. Heute verfügt er aufgrund des Gepäckraums über 42 Sitzplätze in der dritten Klasse. Wegen des Führerstandes trägt er heute die für diesen Wagen untypische Bauartbezeichnung CPwif. Wie alle Wagen ist auch dieser Wagen mit einer Dampfheizung ausgestattet und er verfügt auch über einen Generator, sowie einer Batterie für die Beleuchtung. Der Führerstand entspricht dem Originalzustand, allerdings sind alle vorhandenen Elemente des Führerstandes derzeit ohne Funktion und Zulassung.

Leider sind von diesem Wagen keine genaueren Angaben überliefert. Laut dem Vereinsvorstand soll dieser Wagen imRuhrgebiet gewesen sein und dort auch den zweiten Weltkrieg überlebt haben. Wer zur Geschichte dieses Wagens Informationen haben sollte, bitte einfach bei mir melden.

Hiermit möchte ich mich bei dem Verein Bahnhof-Münsingen herzlichst bedanken für ihre Freigabe und für die Bilder.

Hagenuck-Steuergerät

 

So sieht es in dem Wendezugsteuerwagen des 82 922 Wuppertal der Dampflokfreunde Osnabrück zur Zeit aus. An der vorderen Stirnwand sind die 3 Anzeigeinstrumente zu sehen, sie zeigen den Betriebsdruck, Bremsdruck und den Leitungsdruck der Bremsen an. Leider fehlt noch in diesem Zusammenhang der Geschwindigkeitsmesser, der rechts in der Ecke installiert gewesen sein könnte und zwar über dem Buchfahrplan des Lokführers. Auf dem Tisch vor den Instrumenten sieht man das Hagenuck-Steuergerät. Links vom Steuergerät sieht man einen kleinen Hebel, dazu aber später mehr. Rechts von Tisch sieht man den Bremshebel, mit dem der ganze Zug gebremst wurde. Es folgen Bilder von den einzelnen Hebel und Schalter, die auf diesem Steuerpult noch zu sehen sind.

 Das ist das Hagenuck-Steuergerät. Die Steuerung funktioniert folgendermaßen: im Steuerwagen sitzt der Lokführer und gibt die Befehle an den Steuermann, der dann die Diesellok steuert. Damit hier auch eine Verbindung stattfinden kann, sind in den Personenwagen, sogenannte Klingelleitungen eingebaut worden. Es gab zu dieser Zeit zwar schon Funk, aber noch keinen Funk für die Eisenbahn und aus diesem Grund wurde die Befehle über Klingelleitungen übermittelt.

Zu unterscheiden waren 6 verschiedene Befehle:

1. Außer Betrieb  2. Achtung  3. Beschleunigen  4. Gut  5. Verzögern  6. Triebkraft abschalten

Diese Befehle wurden über die Klingelleitung nach hinten zur Diesellok weiter gegeben. Auf der Diesellok gab es natürlich ebenfalls ein Hagenuck-Steuergerät, damit der Steuermann auf der Diesellok wußte, was er zu machen hatte. Dieses System war auch bei alten Dampfschiffen gebräuchlich. Dort übermittelte der Maschinentelegraf  die Steuerbefehle von der Brücke in den Maschinenraum. Gebremst wurde der Wendezug immer vom Lokführer. Deswegen besaß der Wendezugwagen auch ein Bremsventil. Wie man auch sieht, steht unterhalb des Steuerhebel steht hier noch das Wort SIFA. Wo dieser SIFA-Schalter im Steuerwagen sitzt, konnte ich bisher noch nicht herausfinden. Darunter sind noch zwei Kontrollleuchten angebracht, die dem Lokführer anzeigen, von wo die Lok aus gesteuert wird.

Speak Your Mind

Tell us what you're thinking...
and oh, if you want a pic to show with your comment, go get a gravatar!

You must be logged in to post a comment.

4 Besucher online
4 Gäste, 0 Mitglied(er)
Meiste Besucher heute: 14 um/am 01:36 pm UTC
Diesen Monat: 18 um/am 09-06-2017 02:07 pm UTC
Dieses Jahr: 61 um/am 05-28-2017 12:47 pm UTC
Jederzeit: 122 um/am 03-02-2014 10:56 am UTC
Copy Guarded by IamShekhar's WP-CopyGuard.